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Modern  
   

"Im Himmel ist Jahrmarkt"

     


 

Die Band
  Bild von Deo  

Wolfgang Mielbrett (Bass, Gesang)
Peter Miklis (Schlagzeug)
Thomas de Haan (Gitarre, Gesang)
Detlev Schult (Tasten)

   


 

Fakten, Fakten, Fakten
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Die Lübecker NDW-Band Modern bestand von 1982 bis 1984, produzierte eine LP und vier Singles.
Darunter der bekannte Song "Im Himmel ist Jahrmarkt".

Für www.ichwillspass.de erinnert sich Gründer Wolfgang Mielbrett an die Modern-Zeiten, davor und danach:

"Wie fing alles an?
Man schrieb 1965 und der Beat lebte auf. Im alter von 13 Jahren ging ich in Lübeck an einem der vielen Beatschuppen vorbei. In einem Fenster stand ein weißer Hagström Bass, den ich mir immer sehr lange ansah und dabei von meiner musikalischen Zukunft träumte. Mir war klar, den Bass muß ich haben. An einem Tag probte eine Band tagsüber in diesem Laden und ich ging einfach rein. Ich wurde noch mehr gefangen von der Musik, die ich bis dato nur aus dem Fernsehen (Beat-Club) kannte. Die Musiker waren damals sehr nett zu mir und zeigten mir, wie sie die Dinge anpackten.

Kurze Zeit später war es soweit, mein erster Bass wurde gekauft. Aus Kostengründen allerdings ein Instrument vom Versandhaus Quelle, mit dem ich lange ein altes Röhrenradio und danach einen selbst gebauten Kofferverstärker quälte. Dann wurde aufgerüstet. Der Hagström-Bass wurde gekauft und eine Selmer Bassanlage. Natürlich auf Raten. 30,00 DM im Monat und die Eltern bürgten.

Am Anfang stand, wie bei fast allen Musikern, die sogenannte Schülerband. Es gab die ersten musikalischen Gehversuche in Form von Nachspielen. Es gab viele Auftritte und man erspielte sich in den Clubs reichlich Routine. Schon damals waren Musiker der späteren Modern-Besetzung dabei: Peter Miklis am Schlagzeug und Thomas de Haan an der Gitarre.

Ich wollte aber immer tiefer eintauchen als meine Mitmusiker, deshalb suchte ich damals mit Peter Miklis einen Gitarristen um die Sache professionell anzugehen. Es wurde die Band Waterloo und gleichzeitig eine WG gegründet. Schließlich kam dann Alfred Mühlböck aus Österreich zu uns. Wir haben hart gearbeitet und versucht, komplizierte Musik zu verkaufen. Das konnte nicht klappen. Alfred ging damals zu Novalis und Peter studierte Musik. Es gab noch einige weitere Besetzungsversuche aber ohne Ergebnis, Waterloo löste sich auf.

Dann wurde die Band "Cube" gegründet, in der neben mir auch wieder Peter Miklis dabei war. Mit folgender Besetzung startete man einen weiteren Versuch: Wolfgang Mielbrett (Bass), Jochen Scheel (Gitarre), Peter Miklis (Schlagzeug) und Rüdiger Wiskemann (Keyboard). Die Musik war sehr Gesangsbetont, aber wie es so in den 70er-Jahren war, auch kompliziert. Yes und Genesis waren hier wohl die Vorbilder. Mit dieser Besetzung gab es dann auch die ersten Kontakte zur Industrie. Verlage und Produzenten wurden auf uns aufmerksam. Zu dieser Zeit lernten wir Dirk Steffens kennen. Ehemals Gitarrist bei Birth Control und Studiobesitzer. Dirk war damals mit einem Projekt namens "TRIO" beschäftigt. Er redete auf uns ein es mal mit deutschen Texte zu versuchen. Dabei spielte er uns Demos von Trio vor. Er behauptete, dass diese Musik im Kommen ist. Wir waren damals von unserer Rocksülze mit englischen Texten zu sehr überzeugt und machten so auch erfolglos weiter. Viele Auftritte, aber keinen Plattenvertrag. So löste sich auch "Cube" wieder auf.

Anfang der 80er-Jahre wollte ich etwas Neues machen und dann auch deutsche Texte verwenden. Die Neue Deutsche Welle war im Anmarsch, Modern wurde gegründet. Mit neuen Musikern wollte man aus dem Lübecker Dunstkreis ausbrechen. In Hamburg fand ich Otto an der Gitarre (Nachnamen entfallen) und Gregor Ahrens am Schlagzeug. Detlev Schult war neben mir der einzige Musiker aus Lübeck. Wir merkten schnell, daß die Gitarrenarbeit von Otto einfach zu rockig war und kamen dann doch wieder auf Lübecker Musiker zurück. Mein alter Bekannter, Thomas de Haan, stieg ein.

Nach einem Jahr war es dann soweit, das Programm stand und die ersten Auftritte folgten. Deutsche, witzige Texte - eben Deutsche Welle. Das kam an und da die Industrie in dieser Zeit alles an Bands einkaufte, hatten wir unseren ersten Deal. Wir lernten damals Kuno Dreysse vom Chappel Verlag kennen. Kuno war ehemaliger Bassist der Hamburger Band "The Rivets"
und dann Geschäftsführer des Star Clubs. Ein Urgestein der Szene. Er war von uns begeistert und hat diese Begeisterung dann auch an die RCA verkauft. 1982 nahmen wir dann im Delta Studio Wilster unsere erste LP auf. Produziert wurde das Ganze von Modern und einem Charly Steinberg, der damals ein unbekannter Keyboarder war und sich mit einem Commodore
Computer beschäftigte. Zur gleichen Zeit nahm Charly auch eine LP mit der Band Direktion auf. Schon damals gute Computermusik mit deutschen Texten. Das Studio war fürchterlich und technisch völlig veraltet. Aber das wussten wir zu dieser Zeit noch nicht. Charly sah man in aufnahmefreien Zeit ewig mit dem Lötkolben am Pult. Keiner von uns hätte gedacht, daß Steinberg einmal der Name für Anwendersoftware auf dem Musikmarkt wird. Die erste LP "Dezente Tendenzen" war fertig und es sollte auf Tour gehen. Bei den Aufnahmen merkten wir, daß Gregor Ahrens zwar ein "Tier" am Schlagzeug ist, aber auch nicht in den Griff zu bekommen ist. Vor der geplanten Tour wurde Ahrens dann durch Peter Miklis, Weggefährte aus alten Tagen, ersetzt. Somit war Modern wieder eine reine Lübecker Besetzung. Viele Auftritte u.a. mit Extrabreit oder Lilli Berlin folgten. Nur die LP verkaufte sich nicht. Aus dem Album wurden zwei Singles "Millionen Ionen" und "Cha Cha Cha" veröffentlicht. Allerdings hat RCA uns nicht unterstützt. Es gab weder Promotion, noch Funk- oder TV-Einsätze. Hier wurde nach dem Gieskannenprinzip gearbeitet und der Erfolg blieb logischerweise aus.

In Wilster lernten wir später Leute von Polydor kennen, die Modern unbedingt haben wollten. 1983 war es dann soweit und wir wechselten zu Polydor. Zu dieser Zeit steckten wir voll im Thema Neue Deutsche Welle. Wir schrieben einen Titel nach dem anderen. Unter anderem "Im Himmel ist Jahrmarkt". Dieser Titel war eigentlich für einen Sänger gedacht, der auch bei der Polydor unter Vertrag war. Der konnte mit dem Titel nichts anfangen und wir stellten die Nummer dann als Modern-Titel vor. Die Plattenfirma war begeistert: "Gassenhauer", "das ist ein Hit" usw. Der Titel wurde aufgenommen im Hamburger Brunway Studio und sollte gleich im Frühjahr 1983 veröffentlicht werden. Zu diesem Zeitpunkt war die Neue Deutsche Welle noch erfolgreich. Polydor schätze diesen Umstand aber völlig falsch ein. Man meinte, daß so eine Nummer auch noch nach den Sommerferien funktioniert und verschob die Veröffentlichung auf Ende des Sommers. Wir hatten dann auch entsprechende Promotion, Fernsehauftritte und viele Radiotermine. Nur, die Neue Deutsche Welle wurde schon im Sommer von den Rundfunksendern todgeredet, und so war es dann auch. Ein kleiner Erfolg, aber der Einzug in die Charts blieb aus. Nach im "Himmel ist Jahrmarkt" gab es noch eine weitere aber auch erfolglose Single "Piraten der Sehnsucht". Zu dieser Produktion wechselte noch mal der Keyboarder, Jens Ketelsen kam für Schult. Das war der Schlusspunkt der Gruppe Modern.

Peter Miklis ging danach als Bandmusiker zu Heinz Rudolf Kunze, Thomas de Haan gab Gitarrenunterricht und spielt in einer Galaband. Beide sind bis heute in unterschiedlichen Bandprojekten tätig.

Ich wollte es noch einmal wissen und gründete 1987 mit frischen Musikern eine neue Band mit neuem Stil - die "Boys Boys Boys". Mit Peter Kluth an der Gitarre, Martin Lankau als Sänger, Wolfgang Mielbrett Bass, Detlev Schult und Bob Lynch an den Tasten, sowie Ernst Völker war die Bandbesetzung gefunden. Gesungen wurde wieder in Englisch, eine moderne Variante von U2 und Simple Minds. Wir haben dieser Band zwei Jahre für einen erfolgreichen Weg eingeräumt. Nach dieser Zeit stand das Programm und der Stil war gefunden. Es folgten die ersten Auftritte. Unter anderem haben wir in der Hamburger Großen Freiheit den Oxmox-Band Wettbewerb gewonnen. An diesem Abend waren viele Vertreter der Industrie anwesend und wollten die Band unter Vertrag nehmen. Den Zuschlag bekam CBS. Wir machten neue Demos und suchten mit CBS einen Single-Titel. Dieser wurde schließlich mit "Dance Dance Dance" gefunden. CBS zögerte dann allerdings die Verhandlungen hinaus. Später hörte ich den Titel "Dance Dance Dance" von einer Sängerin namens "Spagna" im Radio. Da konnte ich die Taktik nachvollziehen. Der Refrain war eine Abwandlung unseres Titels. Spagna, eine italienische Sängerin, war natürlich bei der CBS unter Vertrag. Nach einigen weiteren Aufnahmen und Auftritten zog der Frust ein und auch "Boys Boys Boys" war Geschichte."

Was machen die Musiker von Modern heute:

Peter Miklis spielt in einer Oldieband, gelegentlich zusammen mit Thomas de Haan in einer Galaband. Er unterrichtet an einer Lübeck Musikschule und spielt in einem Trio Musik, die an unsere gemeinsamen alten Zeiten erinnert.

Thomas de Haan unterrichtet Gitarre und spielt in einer Galaband. Er ist auch mit einigen musikalischen Spaßprojekten unterwegs.

Detlev Schult widmet sich neben seinem Beruf dem Ambient-Projekt AcousticClub. (www.acousticclub.org)

Wolfgang Mielbrett ist nach den ganzen musikalischen Ausflügen ins Berufsleben als Key Account Manager für Braune Ware eingestiegen. Er spielt, und das nun auch schon seit mehr als 20 Jahren, in einer Top 40- Band.


 
DISKOGRAFIE

Singles:
Cha Cha Cha, 1982
Millionen Ionen, 1982
Im Himmel ist Jahrmarkt, 1983
Piraten der Sehnsucht, 1984

LP:
Dezente Tendenzen, 1981

 
 

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