IchWillSpass-Startseite
Bands Platten Medien Historie Forum Termine Diverses Intern
Bands Titelsuche Video-DVD Geschichte Forum Aktuell Links Impressum
Labels CD-Checks Literatur Charts Umfragen Berichte Geburtstag Team
Interviews Daten
 
 
Der Fan
Standfotos von 'der Fan'  

Im Sog der NDW entstandener skandalumwobener Film, der speziell die talentierte Nachwuchs-Fernsehmoderatorin und Schauspielerin Désirée Nosbusch, die den "Fan" darstellte, in die Schlagzeilen der Presse brachte. Rheingold-Chef Bodo Staiger ("R.") spielte das, was er ohnehin schon war (umschwärmter Popstar) und zeigte, daß er außer Musik noch mehr auf dem Kasten hat. Der Film war seinerzeit unter Kritikern und Publikum heftig umstritten. Nicht jeder erfaßte sofort die eigentliche Aussage des Films.

Simone ist erst 17, und sie liebt einen Star. Doch ihre Liebe ist für ihn nur ein flüchtiges Abenteuer. Die Liebesnacht wird unversehens zu einem Horrortrip in den Abgrund menschlicher Urtriebe. An ihrem Ende stehen Blut, Verzweiflung und Leidenschaft...
 
Dieser Film machte Schlagzeilen, noch ehe er in die Kinos kam. Hier werden Gedanken zu Ende gedacht, die niemand auszusprechen wagt. Die Liebesszenen der nackten Désirée Nosbusch mit dem New-Wave-Popstar Bodo Staiger (Gruppe Rheingold) zeigen schauspielerische Klasse. Die ganze Seelenlosigkeit des Starkults wird Wirklichkeit. Ihre Liebe zu "R" geht über den Tod hinaus. Ist "Der Fan" eine Liebesgeschichte voller Schmerz und Sehnsucht oder ein zu Bildern gewordener Alptraum? Auf jeden Fall ein Film, der unter die Haut geht!
 
 
Darsteller: Désirée Nosbusch, Bodo Staiger, Simone Brahmann, Jonas Vischer, Helga Tölle
 
Regie: Eckhard Schmidt
 
Musik: Rheingold
 
(Ab 18 Jahre)
 

   

 
Presseartikel mit Interview zur Film-Premiere
 
  Du bist nur ein F.A.N.
 
Am 4. Juni ist es soweit, "Der Fan" hat dann Premiere. Schon jetzt sorgt dieser Film wie kaum ein anderer bisher, in der Regenbogenpresse für heiße Schlagzeilen. Im Mittelpunkt steht natürlich die 'erotische Kindfrau der deutschen Leinwand', Desiree Nosbusch. Um ihre Person werden immer wieder verkaufsträchtige Skandale gesponnen. Angeblich hat sie gerichtlich versucht, den Film zu stoppen, weil ihr plötzlich eingefallen sei, daß die Nacktszenen ihrer weiteren Karriere schaden könnten. An allem soll ihr Manager Georg Bossert Schuld sein, der durch diese Skandale seinen Schützling in aller Munde halten will. Was ist denn nun wirklich dran, an diesem Rummel? Henry Lehmann erkundigte sich aus erster Hand und erfuhr, was tatsächlich dahintersteckt. Er traf sich mit Desiree Nosbusch und Georg Bossert sowie mit Bodo Staiger und Brigitte Kunz von der Gruppe Rheingold.
 
Desiree Nosbusch hat in der Öffentlichkeit nicht gerade den besten Ruf. Zu viele negative Sachen wurden über sie geschrieben. Seit ihrem längst vergangenen Auftritt in Fuchsbergers "Auf los geht's los"-Show war der Fall für die brave deutsche Fernsehnation klar: Das ist eine vorwitzige, altkluge Göre, die erst die Klappe und dann das evtl. vorhandene Gehirn einschaltet! Dieses Vorurteil unterstützte sie noch durch flotte lockere Sprüche bei Radio Luxemburg und den ZDF-Sendungen "Hits von der Schulbank" und der "Musik-Box". Tja, und dann gab es noch Nacktszenen in dem Film "Nach Mitternacht" und auch jetzt in ihrem zweiten Streifen "Der Fan". Dazu kamen Fotos in einschlägigen Magazinen und Jugendzeitschriften, in denen die heute 17-jährige hüllenlos zu sehen war. Durch solche Sachen bewegt sie sich nun regelmäßig auf den Titelseiten vieler Zeitschriften. Wie steht sie eigentlich zu diesen Schlagzeilen, ist sie auf solche Lettern angewiesen?
 
Dazu Desiree: "Wenn es die nicht mehr gäbe, hättet Ihr auch keine Arbeit mehr. Die Schlagzeilen mache ja nicht ich. Ich mache ja keine Sache, nur weil ich der Meinung bin, das bringt jetzt wieder Schlagzeilen. Nein, ich bin Jemand, die Sachen macht, die mich interessieren, die ich für mich halt in dem Augenblick wo ich sie mache, für sehr wichtig halte. Und natürlich weiß man nicht immer, wie sie werden und man lernt ja auch immer dazu. Vielleicht meint man dann nachher, daß es vielleicht nicht so gut war. Ich glaube, am Anfang braucht man die Presse, ich kann die schönsten Sendungen in Luxemburg in meinem Garten produzieren, da weiß keiner was von. Nur glaube ich dann, ab einem gewissen Punkt, ob man sich hält, kommt nur darauf an, ob man was kann. Dann natürlich, wenn die Schlagzeilen, auch gute Artikel, da sind, ist es umso besser. Das es welche gibt, die ich für sehr negativ halte, negativ im Sinne das ich sage "nein, das stimmt nicht, also so bin ich nun wirklich nicht" und die mir auch persönlich sehr weh tun - das gibt es. Was mir unheimlich weh tut sind Sätze, die aus einem Gesamten herausgerissen werden, die irgendwo plakativ stehen und dadurch, daß man halt das Umfeld nicht gelesen hat, gar nicht weiß, was ich drumherum noch zur Erklärung dieses Satzes gesagt habe. Da sage ich wirklich ab und zu "Man, wenn du das wirklich so gesagt hättest, dann könntest du dich selber treten!", dann ist es wirklich sehr fies. Es wird mir sowieso viel in Gänsefüßchen in den Mund gelegt. Was ich alles. schon gesagt haben soll. Ich habe mit diesen Leuten noch nie geredet, noch nie mich mit denen unterhalten, aber ich habe von mir behauptet.... Sachen, da klappen sich meine Fußnägel hoch, so schlimm - und insofern bin ich auf alles gefaßt."
 
Um ihre ehrliche, eigene Meinung zu erfahren, konfrontiere ich sie mit zwei Zitaten aus verschiedenen Zeitschriften. Einmal identifiziert sie sich mit der Rolle, zum anderen wünscht sie sich, daß der Film nie anlaufen würde. Was sagt sie zu diesem Widerspruch?
"Ich finde, daß sich die beiden Sachen gar nicht widersprechen, weil, das eine ist die Geschichte gewesen, das andere war mehr so die Ausführung der Sache. Also ich stehe dahinter, daß ich es gemacht habe, nur um das einmal ganz deutlich zu sagen! Ich halte auch die Geschichte für sehr wichtig, deswegen habe ich es gemacht. Weil ich eben das mache und das jeden Tag erlebe, auch in dem ich eine Musik-Box moderiere und da sind ja nun weiß Gott sehr viele Künstler, wie die dann auch ihre Mädchen abschleppen und welche Folgen das teilweise auch bei einigen Leuten haben kann und außerdem war ich auch mal in so einer Situation drin und weiß, inwiefern einen das locken oder bremsen kann für seine eigenen Ideen."
 
Frage: Wer war der Star, den Du damals verehrt hast?
"Das glaube ich nicht, daß das wichtig ist. Insofern finde ich das sehr wichtig, so was mal zu zeigen oder überhaupt anzusprechen. Daß man über den Film reden sollte oder kann, daß ich ihn mir mit mehr Kraft von der Mache her und mit mehr Aussagekraft vorgestellt habe, kann man ruhig sagen. Distanzieren tue ich mich überhaupt nicht von der Sache, weil das eine Angelegenheit ist, mit der man sich auseinandersetzen muß. Der einzige Punkt, wo auch jetzt sehr viel darüber gesprochen wird innerhalb dieser ganzen Leute, die etwas damit zu tun hatten ist, daß da einfach unfaire Sachen gelaufen sind, die ich jetzt hier nicht detaillieren will. Es sind interne Sachen, wo mit mir halt nicht ehrlich verhandelt oder gearbeitet wurde."
 
Zu diesen unfairen Vorkommnissen zählt mit Sicherheit die vorzeitige Veröffentlichung von Szenenfotos, auf denen Desiree nackt zu sehen ist. Warum wird deswegen ein großer Prozeßwirbel gemacht. Wußte sie nicht vorher, was da auf sie zukommt?
"Das ist das, was auch beim Fan der Punkt ist. Daß, wenn man das macht, man sich im Klaren sein muß, daß es auch veröffentlicht wird. Das ist ja auch alles richtig. Nur - es muß so rausgebracht werden, wie es abgesprochen ist. Wieso gibt es Verträge? Man muß sich ja auch irgendwo schützen. Wieso gibt es Abmachungen? Wieso versucht man mit dem Team, mit den Leuten klarzukommen und sagt "wie können wir es am besten rüberbringen, daß es alle verstehen?" Aber wenn das nicht so läuft, dann muß man eben auf die Barrikaden gehen. Denn wenn die meinen, sie könnten mit einem machen was sie wollen - das können sie nicht!"
 
Georg Bossert schaltet sich in das Gespräch ein, um die Sache noch etwas zu vertiefen:
"Wenn man in einer Filmproduktion Verträge macht, wann welche Fotos erscheinen, dann gehen wir davon aus, daß diese Filmverträge eingehalten werden. Genauso beim 'Fan'. Es besteht ein ganz klarer schriftlicher Vertrag darüber, daß die Fotos zum Film 'Der Fan' - die Nacktfotos - zum Start des Films freigegeben werden dürfen. Das heißt, nicht schon drei Monate vorher wieder die Kids die Nacktfotos nur sehen. Diese Verträge sind gebrochen worden. Die 'Staranwälte' sind also nicht eingeschaltet, um die Nacktfotos zu verhindern, sondern um die Angelegenheit sachgerecht durchzuführen. Leider erst jetzt im Nachhinein. Sie wehrt sich gar nicht gegen Nacktfotos, dann könnte sie ja auch gar nicht die Szene spielen, das kann ja dann jeder sehen. Aber jeder soll sich dann informieren können und sagen "aha, Desiree Nosbusch nackt, gehen wir morgen ins Kino, gucken wir uns das an." Deshalb sind diese Verträge."

 
Was hält Desiree davon, sich in 'heiklen' Szenen doubeln zu lassen, wie zum Beispiel Brooke Shields ("Die blaue Lagune")? Auf solche Methoden reagiert sie ärgerlich: "Das ist ja verlogen!" Sie will sich nicht doubeln lassen und steht zu den Filmen, die sie macht. Ihrer Meinung nach ist es einem anderen Mädchen nicht zuzumuten, sich als Double für ein paar hundert Mark ablichten zu lassen. Eine vernünftige, menschliche Ansicht, wie ich meine. Sie hat überhaupt Ansichten und eine Art, die sie sehr sympathisch macht. Sie ist im Grunde gar nicht das wild darauf losplappernde frühreife Kind, sondern macht sich wirklich Gedanken und nutzt die ihr gegebenen Möglichkeiten aus, diese Gedanken weiterzugeben. Ist dies wirklich verwerflich? - Das kann doch wohl nicht sein! An dem Abend, an dem ich mit ihr und Georg Bossert zusammen war, habe ich mich immer wieder gefragt, woher sie dieses ungeheure Wissen und diesen großen Wortschatz hernimmt. Sie beherrscht mit ihren 17 Lebensjahren bereits sage und schreibe fünf Sprachen perfekt! Man bedenke, daß ihre Mutter Italienerin und ihr Vater Luxemburger ist und Deutsch somit für sie ebenfalls eine Fremdsprache ist. In der Presse wird oft über Georg Bossert hergezogen, der ihr angeblich jedes Wort und jedes Handeln vorschreibt. Davon war bei unserer Begegnung nichts zu spüren. Vielmehr redete Desiree frisch und frei von der Leber, ohne sich vorher von ihm Anweisungen geben zu lassen, dafür ist sie schon selbständig genug. Er wird als ihr Manager bezeichnet, dies trifft allerdings gar nicht zu.
 
Georg Bossert erklärt, "Wir machen sehr viele Sachen zusammen, wir arbeiten sehr viel zusammen. Ich lebe nicht von Desiree Nosbusch. Ein Manager lebt von ihr und kriegt so und so viel Prozent. Ich lebe von dem, was ich tue. Ich bin Journalist und bereite wieder eine große Fernsehreihe vor. Ich mache Unterhaltung und habe wieder etwas für den WDR gemacht." Kümmert er sich also nur aus Nächstenliebe um sie?
 
Desiree:  Das kannst Du auch so nennen. Ich habe bei Radio Luxemburg beim Georg angefangen und im Grunde sehr viele Sachen umgesetzt, die er sich ausgedacht hat und wir haben einfach herausgefunden, daß wir zusammen ein unheimlich gut eingespieltes Team sind und ich Ideen sehr gut umsetzen kann die er hat und auch umgekehrt, und daß es einfach so unheimlich was bringt, arbeitsmäßig. Ich möchte keinen Manager haben, weil ich immer das Gefühl haben möchte, daß ich den Überblick habe und das ich weiß, wieso und warum ich was mache."
 
Momentan besucht sie eine kleine Schauspielschule in New York, die den Unterricht mit einer balettartigen Choreographie verbindet, wie es hier in Deutschland nicht üblich ist. Und dies ist einer der Gründe, warum sie auch im Mai die letzte "MusikBox" moderieren wird. Aber, es gibt außerdem einen anderen Anstoß. Sie ist auf die "Redaktionsbeamten", wie sie sie nennt, ziemlich sauer. Diese Leute würden ratlos sein, wenn ein Allroundtalent auftaucht, denn sie dürften nur jeweils ein Kästlein verwalten.
 
"Damit meinte ich die, mit denen ich zu tun habe beim Fernsehen. Ich kann ja nur von denen reden, mit denen ich auch sehr viel gekämpft habe, auch noch teilweise kämpfe und woran auch so einige Sachen leider scheitern, weil es halt viel zu unflexible Leute gibt. Die, wiegesagt, nichts riskieren, aus Angst es könnte schief gehen und da gehe ich immer auf die Palme. Mit so Menschen kann ich nicht arbeiten. Die kann man natürlich nicht ändern. Die werden wohl so sein und das mag ja auch seine guten Seiten haben - für sie persönlich vielleicht!"
 
Soweit also Auszüge aus dem Gespräch mit der weiblichen Hauptdarstellerin des Films "Der Fan", einem Mädchen, von dem man begeistert sein muß, wenn man es einmal näher kennengelernt hat. Ein Mädchen, das zwar hochintelligent ist, aber durchaus noch auf dem Teppich steht und nichts von der Arroganz und Flapsigkeit besitzt, die ihr immer wieder angehängt wird. Viel Wirbel um Desiree! Weniger Wirbel oder besser gesagt gar keinen gibt es um Bodo Staiger, dem männlichen Hauptdarsteller des Streifens. Ich traf mich mit ihm und seiner Freundin Brigitte Kunz, die ebenfalls zur Erfolgsgruppe "Rheingold" gehört. Bodo spielt den New-Wave Sänger "R", der von seinem Fan (Desiree) nach einer heißen Liebesnacht erschlagen, zerstückelt und verspeist wird.
 
Frage: Ist es unbedingt nötig, die Geschichte derart brutal darzustellen?
Bodo: "Das ist so ein Punkt. Du hast jede Woche in der Bravo ein kleines Stück von deinem Star. Nimm es dir! - Schneids dir aus! Also ich glaube, wenn die Kids den Elvis Presley erwischt hätten, den h&quml;tten die in Stücke gerissen kann ich mir vorstellen. Natürlich ist das hart überzogen. Aber jeder möchte eigentlich den Star für sich alleine haben."
 
Frage: Hast Du viel Sprechtext in dem Film?
"Wenn ich mich so im nachhinein sehe - ich bewege mich sehr sehr statisch, sehr sehr starr schon fast und bin sehr wenig in der Artikulation. Entsprechend dem kühlen Star auch ein kühler Dialog."
 
Frage: Bist Du mit der Verwirklichung des Stoffes einverstanden oder machst Du dabei Einschränkungen?
"Ich habe halt wie ich so bin, an vielen Sachen was auszusetzen. Wenn ich mal generell den Film sehe, wie er hinterher rüberkommt, dann finde ich einige Längen, finde ich einige Typen, die mir nicht so gefallen. Das mag mein persönlicher Geschmack sein, ich bin auch kein Fachmann, der jetzt wirklich totsicher beurteilen kann und die können es meistens auch nicht ganz so, aber die Umsetzung - ich bin mir nicht sicher. Es gibt viele Sachen, die ich bemängel. Ich hätte ihn vielleicht noch härter gefilmt, vielleicht noch brutaler gemacht. Die gesamte Umsetzung ist mir manchmal etwas zu sanft. Ich glaube, daß der Star noch kälter hätte sein können und daß vielleicht auch so vom Schnitt es etwas dramatischer hätte sein können. Die wichtigste Sache glaube ich ist, daß die Charaktere ganz wichtige Charaktere sein sollen. So ein Fan und ein Star, das ist schon erst mal nicht eine alltägliche Geschichte. Man kann hinterher immer sagen, quot;Das hätte man besser machen können". Ich habe den realen Vergleich. Ich weiß, wie wir bei den Dreharbeiten bestimmte Sachen wirklich lange gebaggert haben, um das so hinzukriegen. Vielleicht ist die Schwierigkeit der Umsetzung einfach zu groß. Man kann sich am grünen Tisch oder in Gedanken Bilder vorstellen, die umzusetzen doch verdammt viel Aufwand und Zeit erfordern. Ich hätte also vielleicht unterschwellig psychopathischer sein können. Na ja, man wird es sehen. Ich habe den letzten Schnitt noch nicht gesehen, da tut sich bestimmt auch noch was."
 
Bodo Staiger ist eigentlich das Gegenteil von dem Typen, den er in dem Streifen darstellt. Er ist in Wirklichkeit ein ruhiger, bescheidener Mensch, der es nicht gerne hat, wenn Aufhebens um seine Person gemacht wird. Hat er denn nicht Angst davor, daß die Leute ihn mit seinem Verhalten im Film identifizieren?
"Mein Verhalten heute im Normalleben ist anders als meine Rolle. Deswegen sage ich, ich habe absolut eine Rolle gespielt. Es ist Sache des Films, dieses zu entlarven. Also, daß der Typ eben nicht so ist, sondern daß das eigentlich ein eiskalter Oberstar ist. Wenn das rüberkommt, dann glaube ich, kapieren die Leute auch. was damit gemeint ist."
 
Brigitte Kunz flechtet ein: "Die ganze Geschichte ist so überzogen angelegt, daß man weder ihn noch Desiree mit den jeweiligen Personen identifizieren kann, weil sie eben in Wirklichkeit ein total anderes Mädchen ist als die, die sie in dem Film darstellt. Wie es rüberkommt muß man abwarten, gedacht war der Film sehr überzogen. Ich glaube kaum, daß jemand sagt: ach so ist der Bodo Staiger."
 
Bodo: "Man benutzt, wie bei einer übersteigerten Formulierung, halt auch übersteigerte Positionen der Leute. Diese Story h&quml;tte man ja auch anders realistisch filmen können, nur Frage - wem ist damit gedient. Ich meine, die Kids werden heute eigentlich schon ziemlich verarscht, sage ich mal, warum soll man die noch weiter auf diese Tour behandeln? Also da stehe ich nicht drauf. Das einzige Moment weshalb ich gesagt habe "das Drehbuch stimmt", ist diese einfach verrückte, ganz überzogene Darstellung, die es bisher in der Form noch nicht gegeben hat. Das ist das, was auch Desiree meint zum Drehbuch, daß eigentlich die Story stimmt. Das spiegelt so wie eine Metapher quasi die heutigen Verhältnisse wider. Ich meine, wenn man in Amerika guckt, da ist es ja noch viel überkandidelter. Wenn Du Dir die letzte Oscar-Verleihung angesehen hast - da muß ich sagen, da paßt der Film ziemlich gut rein. Das gleiche habe ich eine Woche vorher bei unserem 'Grand Prix' erlebt. Im eigenen Land sehe ich auch diverse Katastrophen. Auf jeden Fall haben die deutschen Schlagermacher mal wieder zum hunderttausendsten Mal irgendeinen Song abgedrückt. Ich finde das, was die da machen, eine erschreckende Sache. Trotzdem glaube ich, daß wir in Deutschland noch ganz gut bedient sind."
 
Frage: Der Hauptdarsteller kann sich also auf keine Weise mit seiner Rolle identifizieren?
Bodo: "Doch. Ich muß ja nicht immer eine für mich positive Rolle darstellen. Ich muß ja nicht immer, auch in der Musik, ein Stück spielen, was auf meinem persönlichen Level liegt. Sondern ich kann ja auch, siehe dieses Beispiel F.A.N. auf der Platte, was anderes machen. Hier ist ein ziemlich abwertender Text "Du bist nur ein F.A.N." - so wie viele Medien oder viele Stars die Fans einfach brutal benutzen. Und insofern fand ich die Rolle hervorragend oder diese Figur, weil sie genau dieses Gegenteil von dem darstellt, was ich mir eigentlich vorstelle. Also diesen überkandidelten supercoolen Typen. Das bin ich nicht, aber es reizt mich halt, das darzustellen, weil dieser Konflikt Fan und Star ist ja heute... - guck Dir mal die Jugendgazetten an, da läuft das nun ja wirklich knallhart ab."
 
Knallhart waren nach seiner Schilderung auch die insgesamt fünf Wochen Drehzeit des Streifens. Auf ihn fielen drei Wochen in München, wobei jeder Tag 12 bis 14 Stunden harte Arbeit bedeutete. Desiree war fünf Wochen am Ball, sie drehte auch noch in Ulm. Die Gruppe "Rheingold" taucht in dem Film nicht auf, lediglich der Sänger "R". Was sagt Bodo Staiger zu seinem ersten Ausflug in das Zelluloid-Geschehen?
"Natürlich sehe ich mich erst einmal als Musiker und sehe diese Rolle in dem Film als einen zufälligen Nebeneffekt. Deshalb möchte ich es halt nicht überbewerten. Meine Prioritäten sind Musik und ich lege eigentlich bei dem Film mehr Wert darauf, daß wir die Musik gemacht haben, als daß ich in dem Film mitgespielt habe. Ich meine, das hätte jeder machen können - die Musik hätte vielleicht nicht jeder machen können. Du mußt das mal so sehen: ich bin erst mal kein Schauspieler, also nehme ich an, daß meine Schauspielqualitäten nicht gerade famos sind. Die Leute vom Film haben mich genommen, weil ich eine bestimmte Optik für diese Rolle habe, nicht, weil ich ein toller Schauspieler bin."
 
Frage: Wann ist die Musik dazu entstanden?
"Die ist nach dem Film gemacht worden. Sie ist an sich auf die Szenen, auf dieses Thema 'Fan' hinterher entstanden."
 
Frage: Dann sind diese Live-Acts von Dir also nachträglich gedreht worden?
"Zwei Stücke waren vorher im Layout. "Das steht Dir gut" wird im Film gesungen und "Augenblick" gab es vorher auch schon. Es war für einige Szenen wichtig, daß man die Nummern schon dabei hörte."
 
Frage: Rechnet sich "Rheingold" aus, daß sich das neue Album durch den Film besser verkauft als ohne ihn?
Dazu Bodo: "Es ist eine begehrte Frage, ob Rheingold sich auf den Publicity-Rummel setzt. Die Langspielplatte ist jetzt im März v o r dem Film gekommen, bevor irgendein Publicity-Rummel eingesetzt hat, außer, daß durch diese Indiskretion ein paar Sachen rausgekommen sind, die nicht geplant waren. Aber an sich haben wir ganz bewußt gesagt, von Anfang an, wir gehen nicht irgendwie im Marketing auf die Schiene Film und LP, sondern ganz bewußt haben wir gesagt, wir machen eine Filmmusik und davon wird in einer bestimmten Form eine LP erscheinen, die auch anders klingt als die Filmmusik. Diese LP kommt zu unserem Timing, also früher und hat nichts mit dem Film zu tun. Wir benutzen nicht die Schiene des Films, um populär zu werden. Diese Schiene widerstrebt mir einfach, weil ich glaube, daß unser Produkt genug Kraft hat - da brauche ich nicht noch irgendwie auf einen Film zu setzen."
 
Bisher hat Rheingold nur im Studio gearbeitet. In der neuen Dreierformation mit Bodo Staiger, Brigitte Kunz und Lothar Manteuffel soll vom Sommer bis zum Winter erst einmal neu gearbeitet und evtl. eine dritte Platte eingespielt werden, danach gibt es wahrscheinlich Mitte 1983 die Gruppe erstmals live. Besteht schon ein Konzept, wie Rheingold sich auf der Bühne seiner Gemeinde präsentieren will?
 
Bodo: "Ein Konzept kann eigentlich nur auf dem basieren, was bei uns persönlich da ist. Wir sind keine Roboter, sondern würden uns eher als ziemlich menschliche Band sehen. Wir sind auch nicht die Leute, die sich ein Image drauftun. Wir würden nicht der Bühnenshow wegen den goldenen Glimmeranzug anziehen, auch wenn es gut zu Rheingold passen würde."
 
Frage: Wird ein Schlagzeuger dabei sein?
"Ich glaube schon. Bisher war es so, daß wir im Overdub-Verfahren, im Multiplay-Verfahren aufgenommen haben. Der nächste Schritt wird sein, das Material etwas zu reduzieren, daß ich also nicht jetzt fünf Gitarren oder fünf Synthesizer hintereinander übereinander spielen muß, sondern, daß wir vielleicht mit der Gitarre, einem Bass-Synthesizer und einem normalen Melodieninstrument auskommen. Es kann sein, daß wir teilweise mit Tapes arbeiten, es kann sein, daß wir aber auch einen Originaltrommler dazu nehmen. Dann möchte ich aber nicht von vornherein sagen "das wird so sein". Lieber möchte ich es kombinieren. Die Anlage unserer Musik ist ja auch nicht nur elektronisch, sie ist ja beides. Wir benutzen die konventionellen Mittel und die neueren, wenn Du so willst, die elektronischen Mittel. Das würde ich gerne weiterführen, diese Schiene."
 
Im Laufe des Gespräches kamen wir natürlich auf die sogenannte Neue Deutsche Welle zu sprechen und auf bedenkliche Auswüchse von Text und Musik, hierfür fand Bodo auch ausländische Beispiele. "Was ich ganz wichtig finde ist, daß wir keine Texte benutzen, die zu Agressivität aufrufen, wie es beispielsweise die Heavy Metal Bands machen. Und daß alle Musiker auf einmal sagen "wir haben keine Verantwortung dafür, wie die Kids aus der Halle gehen" - das finde ich eine totale Schweinerei! Ich bin verantwortlich da oben, wenn ich denen, sage ich mal, erzähle "hol dir die Kette, und schlage deinem Feind in die Fresse, weil er so langweilig ist". Und das muß man heute sehen, daß man also nicht diese Vehikel benutzt, wogegen wir eigentlich alle sind - gegen Krieg oder Aggressivität oder Gewalt und dann kommt hier - das stinkt mir am meisten, dagegen habe ich einen unheimlichen Horror - eine Band wie 'Iron Maiden', mag das rockmä&szig;ig noch so interestant oder vielleicht gut sein von den Musikern her. Aber das, was die Botschaft der Leute ist, ist Aggressivität und Gewalt. Da sagen in Amerika auf einmal die Sekten "verbietet die Rockmusik" - so weit geht es schon. Weil "Slade" zum Beispiel einen Song gemacht hat 'Rock'n Roll Preacher'. In einem Pfarrerkostüm aufzutreten, egal wie meine Einstellung zur Kirche ist, aber man kann so etwas nicht machen! Das finde ich nur gemeingefährlich und nichts anderes. Es ist genau das, wo ich finde, daß sie den Fan, die Kids benutzen, brutal benutzen. Sie verkaufen denen eine Botschaft, die als Mensch überhaupt nicht zu vertreten ist und machen auf deren Knochen die Kohle damit. Das ist das Ding, wo ich am meisten gegen anstinken möchte. Das würde bei uns nicht vorkommen. Oder wir würden es so scharf formulieren, daß man merkt, daß es übertrieben ist. Nehmen wir zum Beispiel dieses "Du bist nur ein F.A.N." - das ist aber auch so böse gesungen und verfremdet von der Stimme, daß das hoffentlich klar ist. Ich kann nicht akzeptieren, daß man sagt "ich gehe von der Bühne und habe nichts damit zu tun, was da unten passiert". Gerade das nicht. Alle schreien "wir sind in einer Demokratie, jeder hat was zu sagen" - dann bitte soll man auch dazu stehen und nicht nach Hause gehen, egal ob sich die Jungs hinterher die Köpfe einschlagen: "Habe ich nichts mehr mit zu tun, ich fahre mit meinem 600er Daimler zum Hilton und gehe schlafen." - Scheiße ist das, ein ganz harter Trip. Die Rockbands erzählen dir, sie leben das ganze Jahr "on the road" - dicke Limousine, Haus in Kansas! Also das sind Spielchen, die mache ich nicht mit. Und das ist genau der Trip mit der Kohle. Auf der Bühne sind wir die netten braven Kumpel oder die Roboter und wenn wir nach Hause kommen sind wir leider etwas anderes; das ist genau der Punkt, der mir stinkt. Wenn man schafft, das hier ein bißchen publiker zu machen, daß wir alle irgendwie nur normale Menschen sind, die nur eine andere Form von Aussage gefunden haben, vielleicht eine eigene und eben da Glück haben, nicht von acht bis fünf arbeiten zu müssen - das wäre schon mal einer meiner Wünsche hier, daß man die Sache mal ein bißchen normaler sieht, nicht immer das Verhältnis Star - Fan. Das ist solange aufgebaut worden, daß die Kids gar nicht mehr anders können, als den Bodo Staiger anzuhimmeln. Es ist überhaupt keine Motivation dafür vorhanden. Und wenn die sich freuen, wenn ich eine lustige Nummer singe oder 'Fan Fan Fanatisch' ist ja auch ein bißchen kitzelig so als Text. Aber ich glaube, sowas kommt dann rüber, das wäre ganz schön."
 
Diesen langen Ausführungen von Bodo Staiger möchte ich nichts hinzufügen Ich wünsche mir, daß diese Gesprächsauszüge klarmachen, daß es sich bei der Hauptdarstellern des Films "Der Fan" sowie bei vielen anderen Künstlern um völlig normale Menschen handelt, die nicht vergöttert werden wollen. Vielleicht trägt diese Titelstory ein kleines Stück dazu bei, die Einstellung in Deutschland in dieser Beziehung zu ändern.
 
Henry Lehmann, "Blitz-Journal" 5/82
 
 

Über Feedback im IWS-Diskussionsforum freuen wir uns!