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Kraftwerk in der Muffathalle/München (05.04.04)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Waschbär kommt gerade vom Kraftwerk-Konzert aus München zurück und kann es sich nicht verkneifen ein paar Takte zum Konzert zu schreiben. Die Münchener Muffathalle war bis auf den letzten Platz ausverkauft und man hätte einfach keine Maus mehr in die Halle gebracht.

Pünktlich um 20:30 Uhr ging es los: Nach einem kurzen Vocoder Intro standen die vier Herren auf der Bühne. Vier Synthis vor sich, standen sie nahezu regungslos zu den Klängen von "Menschmaschine". Sie hatten schwarze Anzüge und Krawatten an zu einem roten Hemd. Es sah einfach klasse aus. Die Hintergrundgestaltung (drei Beamer sorgten dafür, dass zu jeden Lied unterschiedliche Clips im Hintergrund liefen) war exakt der gleiche Schriftzug wie auf deren Homepage www.kraftwerk.com Anschließend kam bereits der Expo-Song "Expo 2000" in einer Remix Version. Beeindruckend hierbei die Lichteffekte. Hatte man bei "Man-Machine" noch die Bühne in ein sattes "Rot" getaucht, so standen nun gelb-grünliche Farbtöne sowie Computersimulationen des Expogeländes auf dem "Light-Programm".

Anschließend kam mit "Tour de France 2003" einer der Songs des aktuellen Albums. Das Ganze perfekt unterlegt mit dem dazugehörigen Video. Um gleich beim aktuellen Album zu bleiben, wurde nun der Song "Vitamin" eingespielt. Als optischer Leckerbissen zierte eine riesengroße Tablette (die einen unweigerlich an die frühere Spalt-Werbung erinnerte) die Leinwand, die sich zum Schluss in die Buchstaben "V I T A M I N" verwandelt und langsam auflöst. Besonders freute ich mich über die Originalversion von "Tour de France", welche auch mit dem herrlichen Schwarz-weiß-Video unterlegt waren. Hierbei kam auch endlich mal wieder der Vocoder zum Einsatz, denn die französischen Passagen wurden live gesungen (im Gegensatz zu anderen bisher genannten Textpassagen).

Nach Tour de France knallte eine Autotür und der Fan wusste gleich, dass es Zeit für die "Autobahn" war. Die knapp 7 Minuten dauernde Version war super inszeniert und vor allem die im Hintergrund laufenden Bilder (eine Mischung aus dem gemalten LP-Cover und Aufnahmen verschiedener Autobahnen in verschiedenen Jahrzehnten). Ein absoluter Höhepunkt.

Mit "Das Model" kam danach einer der Klassiker par excellance. Zum ersten mal konnte man in der Halle so etwas wie "Mitsingen" hören. Das Model wurde komplett live gesungen. Nett war auch die Szene mit dem Sektglas (KORREKT!!!). Im Anschluss an das Model kam mit "Neonlicht" ein Titel, den ich persönlich gar nicht erwartet habe. Bei diesem Titel wollte mir mein Vordermann eins in die Fresse geben, weil ich den Text mitgesungen habe. Aber soweit kam es zum Glück nicht.

Als nächstes kam mit dem Vocoder einige Fakten zu "Sellafield", was zwangsläufig in "Radioaktivität" überging. Als Amateurfunker kann ich auch das Morsealphabet und freue mich bei diesem Lied immer über die Morsezeichen, die in dem Song verbraten wurden. Das Lied wurde mit einem überraschend buntem Video unterlegt.

Ein absolutes Highlight war für mich dann der "Trans Europa Express", welcher mit richtig schön nostalgischen Aufnahmen des TEE aus den 70ern unterlegt wurde. Das Mittelstück "Metal auf Metal" wurde optimal videotechnisch unterlegt mit Bildern von Zugwaggons, deren Puffer aneinanderknallten. Der Schlussteil ging dann wieder in "Trans Europa Express" über. Besonders schmunzeln musste ich über die junge bildhübsche blonde Dame neben mir, die zu mir meinte, dass die Vorsilbe "Trans-" immer mehr aus der deutschen Sprache durch die Vorsilbe "Inter-" verdrängt wird. Nach diesem Teil ging der Vorhang zu und der waschbaer dachte sich, dass das doch nicht sein kann, denn es wurden weder vom Album "Computerwelt", noch vom Album "Electric café" irgendwelche Songs gespielt.

Die erste Zugabe stand dann ganz im Zeichen des Albums "Computerwelt". Ganz in gelbes Licht gehaucht, standen die vier auf der Bühne und es wurde bis acht gezählt. "Numbers" brachte diese Zahlen in englischer, deutscher und japanischer Sprache zur Geltung. Fließend war dann der Übergang zu "Computerwelt" Einfach klasse. Auch die beiden weiteren Titel "It's More Fun To Compute" und "Heimcomputer" sowie der obligatorische "Taschenrechner" stammten alle aus dem 1981er-Album. Der Waschbär war ganz glücklich, denn mittlerweile lief auch die Kommunikation mit meiner blonden Nachbarin mehr als gut.

Nach den Titeln aus dem Computerwelt-Album kam einfach der ungewöhnlichste Auftritt des Abends. Auf der Bühne standen die vier Roboterfiguren, die auch auf "The Mix" auf dem Cover zu sehen sind. Meine blonde Nachbarin meinte nur: "Wahrscheinlich sind die echten jetzt hinter der Bühne, trinken ein Bier und lachen sich einen ab, weil wir hier irgendwelchen Robotern zujubeln." Wie es auch sei, auch wenn nur bewegliche Puppen auf der Bühne standen, so war auch dieser Act einfach irre.

Die Zeit brauchten die vier Herren auch, denn sie hatten sich alle umgezogen (in schwarze Ganzkörperanzüge, die mit neongelben Gittern bemalt waren). Zuerst kamen als weitere Zugabe zwei Lieder aus dem aktuellen Album: "Elektro Kardiogramm" und "Aero Dynamik". Als letztes Lied kam noch "Musique Non Stop" mit dem obligatorischen Intro "Boing Bumm Tschak". Besonders nostalgisch empfand ich das damalige Computervideo zu "Musique non stop". Wahrscheinlich hat sich der Rechner damals beim Berechnen der "Gesichtskonturen des Videos" aufgehängt. Die vier gingen abschließend einer nach dem anderen von der Bühne und als letztes wurden die einzigen Worte zum Publikum gesprochen: "Gute Nacht. Morgen sind wir wieder hier."

Fazit: Ein Abend, der außergewöhnlich war. Ich war schon auf so vielen Konzerten, aber das war einfach das ungewöhnlichste. Man musste zwar nicht, was alles vom Band kam (bei den Robotern ja alles), aber das war irgendwie auch gar nicht so wichtig, denn es ging einfach darum, ein Gesamtkunstwerk auf der Bühne zu sehen. Die vier standen fast regungslos und kühl auf der Bühne, aber genau das war das Einzigartige. Ich kam bei dem Zusammenspiel von Musik, technischen Innovationen und wunderbaren nostalgisch wirkenden Bildern meist aus dem Staunen nicht mehr raus. Um nichts in der Welt hätte ich heute abend etwas anderes machen wollen. Für mich noch der positive Nebeneffekt: Ich habe eine wunderbare nette und hübsche junge Frau kennengelernt. Ich kann jedem nur raten, der noch die Möglichkeit hat, Kraftwerk live zu sehen, diese wahrzunehmen, denn das Konzert ist so ungewöhnlich und unbeschreiblich, wie ich es sonst noch in keinem Konzert mitbekommen habe. Das Publikum umfasst alle Altersklassen (von ganz jung bis zu etwa 60-jährigen habe ich alles gesehen). Die Lautstärke war sehr angenehm und die Videoshow einfach perfekt..


Waschbär

 
 

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