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Im Gespräch mit Michael Tann vom IWS-Team
begrüßen wir Friedel Geratsch,
Chef der Kult-Kapelle "Geier Sturzflug" deren "Bruttosozialprodukt" Musikgeschichte geschrieben hat. .

 
 

Hallo Friedel! Schön das Du Dir mal für uns Zeit genommen hast. Fangen wir also ganz Vorne an: Das erste bekannte musikalische Lebenszeichen von Dir geht meines Wissens auf Mitte der 70er Jahre zurück. Da gab es das Duo "Dicke Lippe". Was hast Du vor dieser Zeit gemacht? Hast Du davor auch schon in Bands gespielt?

Friedel: Angefangen mit der Musik hab ich im Alter von 14 Jahren. Jemand hat mir 2 Akkorde auf der Gitarre gezeigt, das sind die mit denen ich heute immer noch spiele, haha. Die erste richtige Band war "Fiedel Friedels Feierabendshow" ab 1975, danach hab ich mit meinem Freund Reinhard Baierle das Straßenmusiker-Duo "Dicke Lippe" gemacht. Wir haben damals auch das Bruttosozialprodukt geschrieben. Das war 1977.

Der Top-Hit "Bruttosozialprodukt" stammt ja auch schon aus dieser Zeit - lange bevor es "Geier Sturzflug" gab. Aus dieser Zeit gibt es ja wohl auch eine LP-Veröffentlichung namens "Jagdfieber". Was war das für Musik - ist da auch eine Frühversion des "Bruttosozialprodukts" mit drauf?

Friedel: Im Jahre 1978 haben wir die LP Jagdfieber gemacht und da ist auch Bruttosozialprodukt drauf. Die erste Veröffentlichung von "Brutto" war allerdings schon ein paar Monate vorher auf einem Sampler für die TAZ (Zeitung). Das ist die allererste Version des Titels. Das witzige ist, dass auf dieser Version der spätere Bassist der Geier, Werner Borowski den Bass gespielt hat.

Weiter ging es mit der Gruppe "Schotter Blau Gebündelt". Das war dann der direkte Vorläufer von "Geier Sturzflug"...

Friedel: Stimmt, bei "Schotter blau gebündelt" waren schon Werner am Bass und Uwe Kellerhof am Schlagzeug dabei. Und ich natürlich an der Gitarre und Gesang.

Dann, so um 1979, ging es mit "Geier Sturzflug" los. Zur Zeit, als man die NDW noch gar nicht kannte. Wie kam es zu dem neuen, genialen Namen und was war der Grund der Umbenennung?

Friedel: "Schotter blau Gebündelt" haben sich aufgelöst, da ich zur gleichen Zeit mit Dicke Lippe unterwegs war und beides zusammen aus Termingründen nicht ging. Später hab ich die Geier ins Leben gerufen, bin aber kurz darauf erst mal ausgestiegen, da es mit Dicke Lippe noch eine Tournee gab und ich noch eine weitere Band mit Namen Transistors hatte. Die Geier haben dann eine Zeit ohne mich gespielt, laufend neue Leute ausprobiert und irgendwann als Trio einige Auftritte gemacht. Ende 1980 hab ich mich entschlossen wieder mitzumachen.

Ursprünglich waren Michael Volkmann, Werner Borowski, Uwe Kellerhof und Du mit von der Partie. Später kamen dann Deff Ballin und John Fiehe mit dazu. Hast Du zu den "alten" Bandkollegen noch Kontakte? Haben die Ex-Geier anschließend noch in anderen, Dir bekannten Gruppen gespielt?

Friedel: Ich hab eigentlich keinen richtigen Kontakt mehr zu den anderen. Ich hab in den späten Achtzigern immer mal wieder angerufen aber irgendwann keine Lust mehr gehabt, da sich die Anderen nie bei mir gemeldet haben. War mir zu einseitig.

1983 habt ihr dann alle Rekorde gebrochen - Nummer 1 in Deutschland. Charthit nach Charthit. Zwei Jahre lang wart ihr eine der angesagtesten Gruppen im deutschsprachigen Raum. Der Traum eines Musikers ist bei Euch in Erfüllung gegangen - wie geht man damit um?

Friedel: Keine Ahnung was ich darauf antworten soll. Ich war ja schon etwas älter als der Erfolg kam. Hat mich also nicht umgehauen. Außerdem war mir von Anfang an klar, dass es fast unmöglich ist sich oben zu halten, das schaffen nur die Wenigsten.

Ich erinnere mich immer wieder gerne an den "Skandal-Auftritt" in der ZDF-Hitparade mit der etwas abgeänderten Strophe "...dann kommt die Müllabfuhr und holt sich einen runter"... Wie seit ihr auf dieses Ding gekommen.

Friedel: Die Zeile hab ich irgendwann immer bei den Auftritten gesungen und dachte das ist witzig mal im TV zu machen...

Nach drei Alben, 5 Singles, Goldener Schallplatte, Goldener Europa, der Goldenen 1, unzähligen Konzerten und Fernsehauftritten war dann 85/86 Schluß mit den Geiern - was war passiert?

Friedel: Nichts war passiert. Wir waren einfach erst mal fertig von dem ganzen Stress. Konnten uns nicht mehr ausstehen, hatten nur Streit. Jeder wollte was anderes und das war mir zu blöd. Ich bin Ende 86 ausgestiegen. Die anderen haben es drei Monate ohne mich versucht und dann gemerkt, dass es nichts wird.

Du hast ja dann solo weiter gemacht - im direkten Anschluss kam die 86er Single "Zurück in die Nacht", dann der 90er Remix "Bruttosozialprodukt" mit weiteren neuen Titeln. Aber der Zug schien abgefahren - die große Öffentlichkeit nahm kaum Kenntnis von diesen Titeln. Das muß eine schwere Zeit gewesen sein. Wie bist Du damit umgegangen. Wer waren Deine musikalischen Begleiter in dieser Zeit.

Friedel: Naja, so schlimm war das alles nicht. Es gab eben bestimmte Umstände die dazu geführt haben, dass es nicht funktioniert. Ich hab ein paar Songs für Andere geschrieben, für eine TV Sendung Sachen gemacht und mich betrunken. (Anmerkung MT: Friedel Geratsch, der Spaßgeier, trinkt überhaupt keinen Alkohol....)

Was hast Du in den Jahren nach den Geiern sonst noch so gemacht. Erzähl mal ein bißchen...

Friedel: Siehe oben. Getrunken, getrunken und getrunken......

Hast Du während dieser Zeit nie an eine Reunion gedacht? Viele andere NDW-Künstler waren ja seit Anfang der 90er wieder sehr aktiv. Die sog. NDW-Partys erfuhren damals wie heute einen enormen Zuspruch.

Friedel: Ich hab zu dieser Zeit mit einem Trio gespielt und zwar Oldies aus den Sechzigern. War so zum Spass, konnte man gut bei trinken, haha.

IWS-Team: Dann kam endlich das Jahr 1996 - Du startest mit Carlo von Steinfurth das von vielen Fans herbeigesehnte Comeback. Was gab nun plötzlich doch den Ausschlag es nochmal zu versuchen. Wie wurde Carlo zu dem zweiten Geier...

Friedel: Ich hab 1996 einen Teil der alten Band wieder zusammengerufen und wir haben einige Auftritte gemacht. Ich hab aber schnell gemerkt; das war der größte Fehler meines Lebens. Wir hatten nach kurzer Zeit die gleichen Probleme wie früher. Zuerst hab ich mich von Werner getrennt und so kam auch Carlo dazu. Er hat Werner am Bass ersetzt. Dann hab ich mich von der ganzen Band getrennt und mit einigen anderen Musikern weitergemacht. Gleichzeitig hat Markus mich gefragt ob ich nicht auch ein paar Playback Auftritte machen kann. Ich hab das dann mit Carlo zusammen gemacht. Plötzlich wollte keiner mehr die Band haben. Das Duo war einfach billiger, es gab keine Umbaupausen, wir brauchten nur noch zwei Hotelzimmer anstatt fünf. Für die Veranstalter zählen eben nur der Name, der Sänger und natürlich die Hits.

Wie verarbeitet man die Ignoranz der Medien? Schöne Titel wie "Jetzt kommen die fetten Jahre" bleiben unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Die Radiosender weigern sich zum größten Teil Eure und fast die meisten anderen deutschsprachigen Titel zu spielen - was ist Deiner Meinung nach der Grund dafür. Die Nachfrage nach guter deutschsprachiger Musik ist ja da... "Live" seit ihr ja auch noch heute sehr gefragt.

Friedel: Die können mich mal.

Wie siehst Du das Musikgeschehen heute allgemein - insbesondere im deutschsprachigen Bereich.

Friedel: Gibt ja immer wieder ein paar schöne Sachen. Hab grad "Mia" gehört oder "Wir sind Helden", "Naidoo", "Laith al Deen" usw.

Was ist von den Geiern noch zu erwarten... Momentan habt ihr ja die neue Single "Arbeitslos" in den Startlöchern...

Friedel: Am 24.4 soll die neue Geier Maxi "Arbeitslos" erscheinen. Da haben wir auch einen schönen Titel mit Namen "Rundfunkverbot" drauf gepackt. Den Song haben wir extra gemacht, damit auf dem Cover Rundfunkverbot steht. Ich will nämlich nicht, dass unsere Lieder im Rundfunk gespielt werden. Weil: die können mich mal.

Ein Wort noch zur NDW - die ihr maßgebend mitgeprägt habt. Wie siehst Du im Nachhinein diese Zeit, was waren Deine Favoriten aus dieser Musikepoche?

Friedel: Ich fand Trio supergut. NDW ist nur so ein Etikett um dem Kind einen Namen zu geben. Es gab damals ja ungeheuer viele verschiedene Ansätze um eigene Musik zu machen. Spider Murphy Gang z.B., die machen eigentlich Rock n Roll, gelten aber auch als NDW. Das schöne an dieser Zeit war, dass man einfach sein Ding machen konnte und es gab ein Publikum dafür

Willst Du noch was loswerden...

Friedel: Ja, meine Schulden.... Ansonsten wünsche ich allen Freunden der NDW viel Spass.

Friedel, wir danken Dir für das Gespräch und wünschen Euch noch viel Spaß mit der Musik.

 
 

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